Mögliche Werkstatt-Alternativen

In den letzten zwei Jahren (2023/24) haben sich leider einige Motorrad-Fachhändler vom Markt verabschiedet. Die Folgen von Corona, Ukrainekrieg und oft wohl auch ein zu geringes Eigenkapital in Kombination mit der Betriebsgröße dürften letztendlich die auslösenden Faktoren gewesen sein. Zweiradhändler – egal ob Fahrrad, Roller oder Motorrad – müssen sich heute schnell anpassen.

Entweder man hat als Werkstatt/Händler eine treue Stammkundschaft und bleibt als Betrieb bewußt klein bzw. überschaubar oder man wächst. Dann am besten mit einer Mehrmarkenstrategie im Hochpreissegment. In der Automobilbranche ist diese Entwicklung zur Normalität geworden; ein Autohaus – verschiedene Marken.

Vom Autohaus zum Auto- und Motorradhändler

Manches etablierte Autohaus baut inzwischen als 2. Standbein eine Zweiradsparte auf, bestehend aus Rollern, Fahrrädern und Motorräder. Das damit verbundene Investitionskapital muss natürlich auch irgendwo herkommen.

Beispiel: Bei diesem ehemals reinen Toyotahändler habe ich vor vielen Jahren einen neuen Toyota Previa gekauft (so ein Raumschiff). Heute bin ich schon erstaunt, was an verschiedenen Automarken und Zweirädern dort gehandelt werden. Diese Strategie scheint zu funktionieren, wenn eine gewissen Unternehmensgröße da ist.

Offizielle Royal Enfield Händler und Werkstätten

Da das Händlernetz von Royal Enfield in Deutschland eh nicht so dicht wie beispielsweise bei Honda oder BMW ist, kann eine Betriebsaufgabe für Kunden der jeweiligen Marke zum Problem werden. Das grundsätzliche Ärgernis ist dann der weitere Weg bis zur nächsten Royal Enfield Vertragswerkstatt. Will man seine 3-jährige Herstellergarantie komplett vom 1. bis zum 3. Jahr durchgehend in Anspruch nehmen, führt aber kein Weg am RE Vertragshändler vorbei.

Freie Motorradwerkstätten

Wem das als Biker egal ist, der kann entweder zu einer freien Motorradwerkstatt gehen oder eben die wichtigsten Arbeiten an seinem Motorrad selbst durchführen. Solche Werkstätten ohne Markenbindung sind eine Alternative, wenn man selbst nichts mit Schrauben und Wartung am Hut hat. Die Werksgarantie von Royal Enfield kann man so in der Pfeife rauchen; die entfällt dann natürlich. Wer selbst an der Technik „herumwerkelt“, verliert diese Garantie vom Hersteller. Ist ja auch für jeden nachvollziehbar.

Praxis: Garantie

Ich gehöre zu den Zeitgenossen, die sich alle Verträge vom Text her von der 1. bis zur letzten Seite durchlese. Und zwar ganz genau; dafür bin ich einfach schon zu alt und leider oft genug auf die Nase gefallen.

Im deutschen Royal Enfield Owners Manual für meine RE classic 350 beginnt der interessante Teil im Handbuch ab Seite 91. Hier geht es konkret um die Garantiebedingungen. Beim Sichten und Einschätzen der Garantie kam zumindest bei mir als Besitzer ein etwas ungutes Bauchgefühl heraus. Da bleibt in der Praxis sicherlich viel Spielraum für eine Auslegung der Herstellergarantie von Royal Enfield. Das muss aber letztlich jeder Besitzer einer RoyalEnfield für sich selbst beurteilen. Wissen sollte er das aber vorher!

Im Fall der Geschichte mit den Tachoproblemen bei der 350er (Tacho spinnt bei einigen Haltern) dürfte es einfach sein, weil es mehr als einen Käufer getroffen hat. Bei anderen Geschichten ist das vielleicht nicht ganz so eindeutig. Viele Händler sind mit Sicherheit willig und bemüht, dem Käufer zu helfen. Der Importeur in Österreich – die KSR Group – muss natürlich bei der Garantieabwicklung mitspielen.

Freie Motorradwerkstatt

Unser Motorradclub hatte damals eine eigene „Hauswerkstatt“. Alle unsere Motorräder (bis auf die BMWs und Harley Davidson) sind dort gewartet und repariert worden. Waren damals fast 50 Bikes. Unser damaliger Zweiradmeister hat seinen Betrieb inzwischen drastisch eingeschränkt, da er ein anderes Unternehmen gegründet hat. Ich gehöre noch zu den wenigen Kunden, die bei ihm noch ihre Bikes warten lassen können. Mit den beiden Hondas und dem Suzuki Chopper mach ich das auch. Nach einer Anfrage bei ihm zum Thema Royal Enfield kam einen Tag später seine Antwort:

„Für deine 350er Maschine bekomme ich folgende Bauteile:

  • Zündkerzen
  • Kettenkit
  • Bremsscheiben
  • Stoßdämpfer hinten
  • REIFEN plus Montage

Soweit alles kein Problem.“

Mein nächster offizieller Royal Enfield Händler ist rund 20 Minuten Fahrtzeit entfernt; meine andere Hauswerkstatt 30 Minuten. Ist für mich als Halter also eine recht komfortable Situation mit den beiden Alternativen. Viele andere Royal Enfield Motorradfreunde haben wohl eher nicht soviel Glück bei der Werkstattwahl.

Jeder Halter einer RE muss sich also entscheiden, ob er später für die Wartung/Inspektion zum RE-Händler geht oder eine freie Motorradwerkstatt nimmt. Die 500er Inspektion – also die erste Inspektion – würde ich auf jeden Fall immer beim Händler machen lassen, wo man das Neufahrzeug auch gekauft hat.