Royal Enfield kaufen

Meine Geschichte

Ich will ein Motorrad kaufen…

Bis Ende 2023 hatte ich mir noch überlegt, ob ich mir eine gebrauchte Honda VFR1200F anschaffen sollte. Das Motorrad ist (sehr) schnell, ich fand es optisch ansprechend und mein Budget reichte dafür.

Lange hab ich hin- und her überlegt, ob die Leistung, Gewicht und Geschwindigkeit für mich in meinem Alter noch tragbar ist. Und ich kenne mich ja, einmal auf der Autobahn am Gas gedreht und die 200 km/h sind erreicht. Weil die Honda-Rakete auch 245 km/h macht, würde ich die zeitweise auch ausfahren wollen.

Bin früher regelmäßig mit dem Sportwagen über 230 km/h auf der Autobahn gefahren. Das war mit dem Auto schon eine echte Hausnummer. Und dann nochmals 15 km/h mehr auf dem Motorrad? Nur eine Verkleidung als Windschutz davor?? Habe mir die Entscheidung nicht einfach gemacht. Letztlich hat die Vernunft gesiegt. Die Honda blieb also in Gütersloh im Motorradladen stehen.

Zufallstreffer Royal Enfield Bullet 500

Bei mobile.de bin ich per Zufall auf eine Royal Enfield Continental 650 GT aufmerksam geworden. Klassische Motorräder mochte ich eigentlich schon immer. Die Händler-Website besucht und dann sah ich zum ersten Mal eine Royal Enfield 500 EFI Classic. Die Richtung war nun vorgegeben.

Leider war die Royal Enfield 500 nicht mehr neu zu bekommen; sie fiel den Abgasnormen in der EU zum Opfer. Und gebrauchte 500er mit wenigen Kilometern Laufleistung überstiegen mein Budget. Aber es gab auch neue 350er Modelle, die ab 2022 hier in Europa ausgeliefert worden sind. Ok, dann also gezielt mehr Infos über die Royal Enfield 350 Classic beschafft.

Copyright by Royal Enfield – https://www.royalenfield.com

Sie soll es werden: Eine Royal Enfield Classic 350 reborn

Ich bin in meiner früheren Eigenschaft als Unternehmer lange im Web unterwegs gewesen. Ergo die üblichen Informationsquellen in Suchmaschinen und Social Media bemüht. Die informativsten Quellen für mich waren die Videos von YouTube. Eine Maschine gefiel ganz mir besonders, es war die von Marc. Genau so ein Bike hatte ich gesucht.

Alle Videos habe ich mir genau angesehen. Marc hat in seinen Videos eine ganze Menge an Sachen ausprobiert und dokumentiert. Einiges erschien sinnvoll, andere An- oder Umbauten haben mich eher nicht so überzeugt.

Von der Optik her war es genau so ein Motorrad, was ich mir anschaffen wollte. Gleiche Farbe, Gepäcksystem, Tourenlenker, Motorschutz, Tourenspiegel, Tourensitz, Gepäcktaschen, Motorschutzbügel und andere Bereifung inklusive Leichtmetallfelgen. Warum Leichtmetallfelgen? Weil ich zu faul zum Speichen putzen bin; kenne mich ja.

Das ich wenige Monate später genau dieses Motorrad aus den YouTube-Videos mal kaufen würde, hätte ich im Leben nicht gedacht.

Warum ein 20 PS-Motorrad kaufen?

Ich bin nach dem Kauf schon öfters von Biker-Kumpels und meinen Mitarbeitern gefragt worden, warum ich ausgerechnet so ein indisches Moped mit nur 20 PS gekauft habe und ob das in der Praxis mit so wenig Leistung überhaupt Spaß macht?

Die Antwort auf die Frage nach dem Spaß zuerst: Jepp, es macht mir wirklich viel Spaß! Ich habe bei jedem Anlassen des Motors innerlich in breites Grinsen im Gesicht!
Reichen nur 20 PS aus? Ja, für mich schon. Böse Überraschungen unterwegs gibts auch nicht, weil ich die Leistungsgrenzen der RE 350 classic kenne und mich darauf einstelle. Und so erlebt man selbst alte und bekannte Motorradtouren (mit dicken Maschinen) ganz neu, weil man unterwegs viel mehr sieht. Entspannter wird das Motorradreisen auch, weil der Adrenalinspiegel nicht so hoch steigt. Der 350er-Motor hat mehr Temperament, als man glaubt. Und der Sound? Ich sag mal nix 🙂

Klar, das ist natürlich etwas anderes, als mit einem schnellen Bike mit 220 km/h über die Autobahn zu rasen. Das hat halt mit 20PS einen ganz anderen Charme. Kräfte messen mit anderen auf der Landstraße und/oder Autobahn bleibt mir mit der Royal Enfield 350 classic auf alle Fälle erspart. Ist am Ende des Tages deutlich entspannter, als ich gedacht habe.

Und bei Pausen unterwegs schauen sich die Leute vor allem meine Royal Enfield an und nicht so die ganz heißen Öfen, die überall stehen. Selbst Opas bleiben stehen und schwärmen von „ihren Zeiten“ mit Zündapp, BMWs, Rixe, Horex, KTM, BSA, Benelli, Anker, Motto Guzzi, MZ, Maico, Norton oder Triumpf. Die Gattinnen haben dann echt Mühe, ihre Kerle wieder „einzufangen“. Na, denn hab ich ja mit dem Kauf meiner Royal Enfield alles richtig gemacht.

Zurück zu den Wurzeln

Vor 4 Jahren hatte ich einen schweren Absturz von einem Flachdach. Ging einige Meter nach unten, dort hart auf das Pflaster geklatscht, vieles am Körper gerissen, geplatzt, gestaucht, gequetscht und gebrochen. Ok, den Löffel hab ich nicht abgegeben, aber ein Teil meines Körpers besteht nun aus Metall.

Im Krankenhaus hatte ich (sehr) lange Zeit zum Nachdenken. Das war der Zeitpunkt, wo ich das erste Mal intensiv darüber nachgedacht habe, was ist mir echt wichtig, was habe ich lange vor mir hergeschoben, was will ich noch machen und wie ich meine Lebenszeit doch bewusster erleben will. Da viel auch die Entscheidung für ein neues Motorrad; ich wollte einfach wieder Spaß am Leben haben. Und Motorradfahren ist ein wichtiger Bestandteil dabei.

Inzwischen fahre ich gut 50 Jahre Motorräder, von der 50er-Zündapp bis mal zur 1800er-Honda. Gemäß dem Motto: „Schneller, mehr PS und technisch immer aufgemotzter“ bin ich durch die Jahrzehnte gefahren (ja, oft auch gerast).

Irgendwann kam bei mir als Biker der Moment, wo der eigene Schutzengel intensiv den Finger gehoben hat und sagte: „Junge, Junge! Die Situation eben gerade hätte jetzt böse daneben gehen können…
Mit zunehmendem Alter denke ich darüber nach, ob es wirklich nur der Geschwindigkeitsrausch ist oder man nicht lieber – so wie damals mit 16 Jahren – einfach und entspannt durch die Landschaft fährt. Zurück zu den Wurzeln könnte man es auch nennen.

Ich habe mich nun für diesen Weg entschieden!
Und ja, es stehen noch andere Bikes in meiner Garage.

Meine erste lange Tour war dann auch gleich die Überführung der Maschine von Berlin nach Ostwestfalen. Diese Tour und meine Erfahrungen mit der Royal Enfield classic beschreibe ich an dieser Stelle.